Auffahrt zum Col de Turini von La Bollène-Vésubie

Paris – Nizza: Bergankunft am Col de Turini

Im Frühling müssen sich die Rennrad-Profis zwischen zwei zeitgleich stattfindenden Vorbereitungs-Etappenrennen entscheiden: Tirreno-Adriatico und Paris – Nizza. Weil es letztendlich immer ums Geschäft geht, buhlen die Veranstalter um ein hochkarätiges Teilnehmerfeld und damit eine möglichst prominente TV-Übertragung.

Mehr Qual, mehr Geld. Eine Tendenz?

Money talks, Bullshit walks – oder übertragen auf den Radsport: Je stärker die Zuschauer die Profis leiden sehen, umso mehr Geld ist im Pott. In der Konsequenz: Je härter die Streckenführung, umso grösser die Wahrscheinlichkeit auf gute Fernsehübertragungen und damit die Möglichkeit, die Sponsoren zu befriedigen und ein entsprechend hochklassig besetztes Teilnehmerfeld. Eine Tendenz, die wir bei den grossen Rundfahrten schon länger beobachten (Zoncolan oder die Mehrfachbefahrung der Alpe d’Huez) und die nun offenbar auch vor den kleineren Etappenrennen nicht Halt macht.

Der Col de Turini

Der Col de Turini, ein guter Bekannter aus unseren vergangenen Rennrad Urlauben an der Côte d’Azur, ist nun 2019 erstmals Teil der Etappenplanung der 77. Austragung von Paris – Nizza. Der Col de Turini steht wohl konkurrenzlos da, wenn es darum geht, in so kurzer Distanz zur Küste mit dem Rennrad an der 2’000 Meter Marke zu knabbern (alleine mit der Befahrung des Passes gelingt dies noch nicht. Doch auf der Ringstrasse, die ihren Ausgangspunkt nahe der Passhöhe auf 1’607 Metern hat, gewinnt man nochmals einiges an Höhe. Angesichts der zahlreichen Auffahrten und Tourenvarianten, die der Col de Turini und seine umliegenden Pässe bieten, fährt man diese abenteuerliche, obgleich landschaftlich reizvolle Ringstrasse sonst wohl eher selten).

Nimmersatte Höhenmeterjunkies bauen den Col auf der Route des Grandes Alpes vom Col de la Bonette her als letzten Pass vor der Ankunft an der Côte d’Azur ein.

Braucht es so ein solche Streckenführung?

Am 16. März also werden die Profis auf der 7. Etappe auf den Pass gejagt, nachdem sie zuvor an der Côte de Pélasque sicher schon ordentlich Substanz gelassen haben.

Wer die Auffahrt auf den Col de Turini von La Bollène-Vésubie her kennt, weiss, dass die Auffahrt zu grossen Teilen im Wald verläuft. Ziemlich sicher wird noch Schnee am Strassenrand liegen. Die Etappe ist damit sowohl aus klimatischer wie auch aus sportlicher Sicht eine Ansage.

Angesichts der Unmengen an Alternativen rund um Nizza muss die Frage erlaubt sein, ob die Streckenführung auf den Pass wirklich nötig ist oder ob es nur darum geht, auf Kosten der Rennfahrer mediales Interesse zu wecken. Bereits 2018 war die 6. Etappe mit einer Schikane gespickt: Vor der Ankunft am Zielort Vence – übrigens auch unser Standort auf den Rennradreisen – wurde das Teilnehmerfeld die Côte de la Colle sur Loup hochgejagt. Eine Rampe, die wir unseren Reiseteilnehmern noch nie zugemutet haben. Denn die Côte de la Colle sur Loup mit Frühlingsbeinen zu fahren ist hart. Selbst für einen Profi.

Zuschauen werden wir trotzdem

Moralinsaure Litanei hin oder her. Auch wir werden die Königsetappe am Fernsehen verfolgen, sind wir doch eine Woche später selbst vor Ort und starten traditionell am Renntag von Mailand – San Remo, am 23.03.2019 in unsere Côte d’Azur Saison.