Rennrad Frühlings Traininslager an der Côte d'Azur / Alpes maritimes

Nizza und Nissa: das Rätsel der zweisprachigen Ortschilder

Sitzt man an der Côte d’Azur einen ganzen Tag oder, wie bei unseren geführten Reisen, mehrere Tage hintereinander im Rennrad Sattel, passiert man allerhand Ortsschilder. Sinnvolle und scheinbar weniger sinnvolle, kuriose oder einfach auch ganz banale. Die unter Umständen gar nicht so banal sind.

Nissa und Vença – Wissenslücke schliessen

Rund um Nizza sind die meisten Ortschaften in zwei Sprachen angeschrieben. Einer vertrauten Version, Französisch, und einer weniger vertrauten. Als Rennrad Guide an der Côte d’Azur ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man von einem Teilnehmer früher oder später nach diesen doppelten Ortsnamen gefragt wird. Höchste Zeit also, diese Wissenslücke zu schliessen.

Einem Ortsschild begegnen wir auf jeder Tour: Vença, welches die Rückkehr in unseren Standort Vence ankündigt. Leicht wiederzuerkennen und auszusprechen auch die Bezeichnung der Metropole: Nissa steht für Nizza.

Tönt irgendwie katalanisch

So ein Kommentar eines unserer Guides. Und damit lag er richtig. Die zweite Bezeichnung der Ortsnamen ist Nissart, einer von vier provenzalischen Dialekten, welcher, wie der Name bereits verrät, in Nizza und Umgebung gesprochen wird. Nissart (auf Französisch nissart, niçois oder niçard genannt) ist eine Variante des Okzitanischen, einer galloromanischen Sprache, die neben Südfrankreich und einigen durch Migrationen entstandenen Sprachinseln vor allem noch in Katalonien gesprochen wird. Bedingt durch das mediale Interesse an den politischen Ereignissen in Katalonien wird diese Sprachvariante vor allem dort verortet. Doch ihr Ursprung liegt in Südfrankreich.

In vino veritas

Eine berühmte Region Frankreichs, die ihre Bekanntheit vor allem ihren Weinen verdankt, bringt das zum Ausdruck: Languedoc kommt von »Langue d’oc«, was soviel bedeutet wie »Sprache Okzitaniens«. Entstanden ist die Sprache aus dem Vulgärlatein Südgalliens. Gesellschaftlich und kulturell unterschiedliche Entwicklungen in Nord- und Südfrankreich spiegelten sich in einer Spaltung der Sprache wieder: Nördlich der Loire entwickelte sich das Altfranzösische, südlich das Okzitanische. Durch die Zentralisierung von Louis XIV setzte sich das Nordfranzösische durch. Okzitanisch wurde als Unterrichtssprache abgeschafft und verlor nach der Französischen Revolution an Bedeutung.

Heutige Sprachnutzung

In Südfrankreich existiert okzitanisch konfliktfrei neben französisch. Heute nutzt vor allem die ältere Generation die Sprache noch aktiv. Auch an einigen staatlichen Schulen wird Okzitanisch noch gelehrt und als Unterrichtssprache eingesetzt.

Um einen Beitrag gegen das Aussterben der Sprache zu leisten, sollten wir ein Wort lernen, das auf unseren Rennrad Touren im dünn besiedelten Hinterland der Provence-Alpes nützlich sein könnte Aiga. Wasser auf Nissart.