Sonnebeschienenes Haus in Nizza

Nizza als Winterrevier

Er steckt tief in uns Rennradfahrern drin, der Wunsch, im Winter aufs Rennrad zu steigen. So zu fahren, dass man nicht klamm auf dem Hobel sitzt, in 5 Zwiebelringe verpackt ist und trotzdem nach der Hausrunde mit zwei Eiszapfen in den Schuhen nach Hause kommt.

Côte d’Azur im Winter

An der Côte d’Azur herrscht ein aussergewöhnliches Klima. Die Nähe zum Meer führt zu einem sehr milden Winter, zudem schirmen die Ausläufer der Seealpen die Bucht von Nizza ab, so dass man auch im Winter längere Ausfahrten auf dem Rennrad machen kann.
Doch das bedeutet noch lange nicht, dass man die Côte d’Azur einfach uneingeschränkt als Winter Trainingsrevier bezeichnen kann. Oh nein. Immerhin türmen sich im Hinterland die Seealpen auf, das bringt Bergwetter mit sich. Daher haben wir auch schon im April auf einer Rennradreise erlebt, dass uns auf 1000 Metern über Meer die Schneeflocken ums Gesicht wehten.

QED – der Praxisbeweis

Dass es trotzdem funktioniert, beweisen nicht nur viele Profis, die Nizza und Menton als Winterhabitat nutzen, sondern auch folgende kleine Episode. Ich war einige Male in der zweiten Februarwoche in Vence, bei teilweise herrlichen Rennradbedingungen. Tagestouren mit Bein- und Armlingen problemlos möglich.
Nach einer, für die Jahreszeit langen Tour ins Estérontal haben wir uns über die leicht ansteigende Strecke von Gattières nach Vence gekämpft. Da ist ein älterer Herr zu uns aufgefahren und hat zu plaudern begonnen. Wir haben geschwärmt, wie schön es hier sei zum Radfahren und dass in der Schweiz jetzt tiefster Winter herrscht. Er hat dies bestätigt, dass er seine Pensionierung auf dem Rennrad geniesse, in dieser traumhaften Ecke. Und dass er schon 3600 Jahreskilometer hätte!

Gut geplant ist halb gewonnen

Fährt man im Winter zum Rennradfahren an die Côte d’Azur, muss man die Tourenplanung natürlich ans Wetter anpassen. Bei sonnigen und wolkenlosen Bedingungen kann man problemlos die küstennahen Pässe wie den Col de Vence, Col de la Madone oder den Col de l’Êcre einplanen. Und natürlich die Corniches zwischen Nizza und Menton, wo man viele Tourenvarianten fahren kann.
Ist die Wetterentwicklung unsicher, so steht einem mit den Collines Niçoises ein weitläufiges Hügelgebiet zur Verfügung, wo man tolle Trainingsrunden mit Anstiegen um 300 bis 500 Höhenmeter fahren kann.
Und wenn es regnet, dann sollte man halt einfach etwas regenerieren …

Die Magie des Lichts

Der eigentliche Grund für diesen Blogbeitrag war eine Bildstrecke von «Café du Cycliste». Das Licht im Winter an der Côte d’Azur, wie auch im westlich gelegenen Ligurien, hat im Winter eine unwiderstehliche Magie. In den späten Nachmittagsstunden wird alles in ein warmes, sanftes Gelb getaucht. Eine Stimmung, der man sich nur schwer entziehen kann und die beim Anblick der Bildstrecke unmittelbar Fernweh erzeugt.

https://www.cafeducycliste.com/en_row/la-gazette/nissa-light-bella