Blick von der Grande Corniche auf die Côte d'Azur

Im Fokus: der Col de la Madone

Der erste Beitrag aus der Côte d’Azur in unserer Serie »Retrospektive Rennrad Reisejahr 2018« auf Komoot führt auf den Col de la Madone; neben dem Col de Turini sicher der mit Abstand bekannteste Pass der Region Côte d’Azur. Hier hat sich Lance Armstrong viele Winter lang auf die nächste Saison vorbereitet. Der Col de la Madone war der Gradmesser seiner Formkurve, und er ist ihn so oft gefahren, dass Trek die sportliche Reihe ihrer Rennräder danach benannt hat: »Trek Madone«. Mehr dazu in einem eigenen Blogbeitrag.

Nizza: Sightseeing auf zwei Rädern

Und so war der Col de la Madone bei beiden Reisewochen im März und im April Bestandteil der Tourenplanung. Zwischen unserem Standort Vence und Menton, wo die legendäre Seite des Passes beginnt, stellt sich ein grösseres Hindernis in den Weg: Nizza. Mit knapp 350’000 Einwohnern die fünftgrösste Stadt Frankreichs. Doch den Franzosen gehört hier ein Kränzchen gewunden: Das Netz an Radwegen in der Region ist vorbildlich, und ein Grossteil davon sogar rennradtauglich. Der Küstenradweg führt die bekannte Promenade des Anglais entlang. Hier gehen die Bewohner der Stadt ihren Sportaktivitäten nach, und so trifft man auf Rennradfahrer, Inline Skater, Jogger und dazwischen immer wieder auf fotografierende Touristen. Dieser quirlige Teil der Route ist denn auch weniger als Tempostrecke zu betrachten, sondern vielmehr als Sightseeing auf zwei Rädern.

Filmreif: die Corniches

Am Ostende, kurz nach dem Hafenbecken wo das Café du Cycliste liegt, endet die Stadt abrupt. Es wird bergig. Der Weg nach Menton führt entweder über die Corniche Inférieure, die Moyenne und die Grande Corniche. Die drei Varianten sind an einigen Stellen miteinander verbunden, so dass man über die Tourenvarianten an den Corniches schon fast einen eigenen Blogbeitrag schreiben könnte. Aber wenn man schon mal hier ist, will man auch die berühmte Grande Corniche fahren. Kein geringerer als Napoleon gab den Bau der Strasse in Auftrag. Sie verläuft bis zu 500 Meter über dem Meer und bietet traumhafte Ausblicke auf die Côte d’Azur und Filmgeschichte. Hier wurde Hitchcocks »Über den Dächern von Nizza« mit Cary Grant und Grace Kelly gedreht, ebenso die Startszene von James Bond »Golden Eye«. 1982 wurde die Grande Corniche Grace Kelly zum Verhängnis, als sie hier tödlich verunfallte.

Col de la Madone – auch nur ein Pass

In Menton auf Meereshöhe beginnt die 13 Kilometer lange Auffahrt zur Passhöhe auf 935 Metern. Spektakulär daran ist jedoch nur der Name. Richtig imposant ist der Landschaftswechsel von der üppigen Vegetation in Menton (bekannt für seinen botanischen Garten) in die karge, steinige Bergwelt der Alpes-Maritimes. Eine schöne Beschreibung mit vielen Drohnenaufnahmen ist diejenige des Café du Cycliste.

Zähes Finale

Neben dem kontrastreichen Programm aus Grossstadt, Riviera-Prunk und karger Bergwelt stellt das letzte Element die Beine auf eine Prüfung. Um Nizza nicht nochmals zu durchfahren, denn aus dem Hinterland ist die Fahrt durch die Stadt deutlich mühsamer als entlang der Küste, verläuft die kürzeste Strecke durch die Collines Niçoises, die lieblichen, olivenbestandenen Hügel hinter Nizza. Nicht so lieblich ist das Höhenprofil. 4 Anstiege zwischen 200 und knapp 500 Höhenmetern sind bis Vence noch zu bewältigen. Doch auf den Spuren der Profis gehört nun mal auch das Leiden etwas dazu.