Markant - das Cap Ferrat von der Grande Corniche

Die Grande Corniche: Rennrad-Kletterpartie am Meer

Schon bei der Anreise an die Côte d’Azur werden wir Rennradfahrer auf eine harte Probe gestellt: Der Verlockung, direkt nach der Grenze das Auto entgegen allen Verbotsschildern an einer Notbucht zu parken, das Rennrad aus dem Kofferraum zu holen und loszufahren. Zur Rechten klettert eine einsame Strasse durch die zerklüfteten Felsen in Richtung Sospel und Col de Turini. Zur Linken winden sich die Strassen hoch über der tiefblauen Mittelmeerküste. Jetzt losfahren – ein Wunsch, den nur die Angst vor einer saftigen Busse bremst.

Braune Haut und Golden Eye

Doch die Küstenstrasse oberhalb Monacos verläuft nicht überall so reizvoll, wie es von Weitem den Eindruck macht. Auf der Küstenstrecke zwischen Théoule-sur-Mer und Nizza mischen sich die Gerüche von Abgasen und Kokosbademilch. Viel mehr lohnen sich da die Corniches, die Klippenstrassen zwischen Nizza und Menton. Deren spektakuläre Lage hoch über der Côte d’Azur war unter anderem Schauplatz der Verfolgungsjagd in der Anfangsszene von James Bonds »Golden Eye«.

Die Corniches

Die drei Corniches verbinden Nizza mit Menton, und jede hat ihre Eigenheiten. Die Corniche Inférieure, wie der Name – untere Küstenstrasse – schon sagt, zählt die wenigsten Höhenmeter. Doch sie führt durch etliche Ortschaften, in denen es bereits in unseren Reisemonaten März bis Mai von Touristen wimmelt. Spätestens in den Sommermonaten ist die Fahrt mit den Rennrad durch den Rummel keinesfalls mehr zu empfehlen.

Hoch zur Corniche Moyenne

Kompromisse sind meist lauwarm. So ist es auch bei der Corniche Moyenne, der mittleren Küstenstrasse. Diese ist teilweise vierspurig und dient vor allem den Touristen mit Wohnmobilen als Aussichtspunkt für das obligatorische Côte d’Azur Ferienfoto von Cap Ferrat. Als Rennradfahrer lassen wir diesen Mittelweg getrost links liegen.

Grösse kriegt man nicht geschenkt

Am schönsten ist, was viel Schweiss gekostet hat. Und so ist es auch mit der Grande Corniche, der grossen oder oberen Küstenstrasse. Sie verläuft entlang der alten Römerstrasse Via Aurelia, die von Rom nach Arles führte. Weil die Römer noch nicht über die Möglichkeit verfügten, Tunnel in die Felsen zu sprengen, mussten sie in die Höhe ausweichen. Im Falle der Grande Corniche bis auf den Col d’Èze auf 512 Metern.

 

Die Grande Corniche ist sehr kurvig, im Vergleich zu den beiden anderen Corniches aber deutlich schmaler und hat daher – sehr zur Freude von uns Rennradfahrern – eine viel tiefere Verkehrsbelastung. Spätestens die langgezogene Abfahrt vom quirligen Ort La Turbie hinunter nach Menton macht jeden mit Schweiss bezahlten Höhenmeter mehr als wett.

Renn- oder Rennvelo Strecke?

Zur Einstimmung auf den nächsten Urlaub an der Côte d’Azur und als Abschluss-Tipp noch dies: Unbedingt die beiden auf der Grande Corniche gedrehten Filmsequenzen von «Über den Dächern von Nizza» und «Golden Eye» auf YouTube schauen.

 

Erstere ist so alt, dass sie einfach nur lustig ist. Pikant: Aus ungeklärten Gründen kam Grace Kelly 1982 auf eben dieser Grande Corniche von der Strasse ab und verunfallte tödlich.

 

Golden Eye stammt aus dem Jahr 1995. Was damals als atemberaubende Verfolgungsjagd gehandelt wurde, hat heute schon leicht narkotisierende Wirkung.  Dass die Grande Corniche im Herzen eine Rennvelo- und keine Rennstrecke ist, zeigt sich zum Schluss der Szene, wo James Bond haarscharf an einer Gruppe Rennradfahrer vorbeischiesst. Die meisten natürlich ohne Helm …